Was § 19 UStG bedeutet
Die Kleinunternehmerregelung befreit dich von der Pflicht, Umsatzsteuer auszuweisen und abzuführen. Im Gegenzug entfällt der Vorsteuerabzug — du kannst die Umsatzsteuer auf deine eigenen Einkäufe nicht geltend machen.
Die Regelung ist freiwillig. Du kannst auf sie verzichten und regulär Umsatzsteuer ausweisen, bist dann allerdings fünf Jahre daran gebunden.
- Du schlägst keine Umsatzsteuer auf deine Preise auf.
- Du schreibst Rechnungen ohne Steuerausweis, mit Hinweis auf § 19 UStG.
- Du gibst keine Umsatzsteuer-Voranmeldungen ab.
- Du kannst keine Vorsteuer geltend machen.
Das Grundproblem mit Shopify
Es gibt in Shopify keinen Schalter „Kleinunternehmerregelung aktivieren“. Die Plattform ist international gebaut, und eine deutsche Sonderregelung ist darin nicht vorgesehen.
Wer nichts ändert, betreibt einen Shop, der 19 Prozent Mehrwertsteuer ausweist — Steuer, die du weder einnehmen noch abführen darfst. Das führt zu Problemen gegenüber dem Finanzamt und gegenüber deinen Kunden.
- Shopify berechnet standardmäßig automatisch Steuern auf Bestellungen in Deutschland.
- Die von Shopify erzeugten Bestellbestätigungen enthalten keinen § 19-Hinweis.
- Die Konfiguration musst du selbst vornehmen — an mehreren Stellen.
Die Steuereinstellungen im Shop
In den Shopify-Einstellungen unter Steuern und Zölle wählst du Deutschland beziehungsweise das Land, in dem du steuerpflichtig bist, und deaktivierst die Steuerberechnung für diese Region.
Damit berechnet Shopify auf keiner Bestellung mehr Mehrwertsteuer. Deine Produktpreise sind dann Bruttopreise — der Kunde zahlt genau das, was auf der Produktseite steht.
Prüfe die Umstellung anschließend mit einer Testbestellung. Die Steuereinstellungen greifen je nach Region und Produkttyp unterschiedlich, und eine Fehlkonfiguration fällt sonst erst auf der ersten echten Rechnung auf.
Kein Steuerausweis — sonst schuldest du die Steuer
Für die Steuereinstellung zählt vor allem eine Regel: Auf der Rechnung darf keine Umsatzsteuer stehen. An ihre Stelle tritt der Hinweis auf die Steuerbefreiung nach § 19 UStG. Wer versehentlich doch einen Steuerbetrag ausweist, schuldet ihn dem Finanzamt — auch dann, wenn er gar nicht steuerpflichtig ist. Das regelt § 14c UStG und es ist der teuerste Fehler in diesem Bereich.
Die übrigen Pflichtangaben nach § 14 UStG gelten unverändert weiter, nur eine USt-IdNr. brauchst du nicht. Wie eine § 19-konforme Rechnung im Detail aufgebaut ist und wie du sie aus Shopify heraus erzeugst, zeigt Shopify-Rechnung als Kleinunternehmer bei belegio.
Wenn die Grenzen fallen
Es gibt zwei Grenzen, und sie wirken unterschiedlich — das wird häufig verwechselt.
Die 25.000-Euro-Grenze bezieht sich auf das Vorjahr. Überschreitest du sie im laufenden Jahr, bleibst du für den Rest des Jahres Kleinunternehmer und wirst ab dem 1. Januar des Folgejahres regelbesteuert.
Die 100.000-Euro-Grenze wirkt sofort. Überschreitest du sie im laufenden Jahr, endet der Status mit genau dem Umsatz, der die Grenze reißt — ab diesem Geschäft musst du Umsatzsteuer ausweisen.
Ein Beispiel: Du startest 2026 ohne Vorjahresumsatz und machst 40.000 Euro. 2026 bleibst du Kleinunternehmer, weil die 100.000 nicht überschritten sind. 2027 bist du automatisch regelbesteuert, weil der Vorjahresumsatz über 25.000 lag.
- Dem Finanzamt melden, dass du ab dem Folgejahr regelbesteuert bist.
- Die Shopify-Steuerberechnung wieder einschalten.
- Die Buchhaltung umstellen und die Rechnungsvorlage anpassen.
- Prüfen, ob Preise brutto bleiben oder um die Steuer erhöht werden — eine kaufmännische Entscheidung, keine steuerliche.
Die Buchhaltung muss mitziehen
Die Einstellung im Shop allein reicht nicht. Dein Buchhaltungswerkzeug muss ebenfalls auf Kleinunternehmer stehen, sonst entstehen dort Belege mit Umsatzsteuer, während der Shop keine berechnet.
In sevdesk stellst du das unter Einstellungen und Unternehmensform ein, in Lexware Office an der entsprechenden Stelle der Unternehmenseinstellungen. Beide erzeugen danach Belege ohne Steuer und mit § 19-Hinweis.
Genau hier entstehen die typischen Widersprüche: Shop ohne Steuer, Buchhaltung mit — oder umgekehrt. Das fällt oft erst auf, wenn die Steuerberatung die Belege sichtet.
Wie zrapp den Fall behandelt
Ist zrapp als Kleinunternehmer konfiguriert, greift Priorität 0 des Vierstufen-Systems: Alle Belege entstehen ohne Umsatzsteuer und mit Hinweis auf § 19 UStG.
Der entscheidende Punkt ist, dass diese Priorität alle anderen Regeln überschreibt. Bestellt ein französisches Unternehmen mit gültiger USt-IdNr., greift trotzdem nicht Reverse-Charge, sondern § 19 — weil als Kleinunternehmer keine Steuer auszuweisen ist, auch keine mit Reverse-Charge-Hinweis.
Beim Einrichten gleicht zrapp deine Auswahl mit den Einstellungen deines Buchhaltungskontos ab und warnt bei Widersprüchen — bevor daraus fehlerhafte Belege entstehen. Die Einrichtung im Einzelnen steht in Shopify mit sevdesk verbinden und Shopify mit Lexware Office verbinden.
