Steuern

OSS-Verfahren in Shopify einrichten: Schritt-für-Schritt

14. Juni 2026 · 7 Min. · zrapp.group

Du willst das Shopify OSS einrichten, weil du Privatkunden in anderen EU-Ländern beliefern willst oder bereits die 10.000-Euro-Schwelle überschreitest. Das One-Stop-Shop-Verfahren regelt, wann du statt der deutschen Umsatzsteuer den lokalen Steuersatz des Ziellandes berechnen musst. Diese Anleitung zeigt dir Schritt für Schritt, wie du OSS in Shopify aktivierst, wie die 10.000-Euro-Lieferschwelle funktioniert und wie die OSS-Steuer korrekt in deine Buchhaltung kommt.

Das Wichtigste in Kürze
  • Das OSS-Verfahren (One-Stop-Shop) gilt für EU-B2C-Fernverkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern.
  • Sobald deine EU-weiten Fernverkäufe die Lieferschwelle von 10.000 € pro Jahr überschreiten, gilt der lokale Steuersatz des Ziellandes statt 19 % DE.
  • In Shopify aktivierst du OSS über die Steuereinstellungen und hinterlegst deine OSS-Registrierung, damit Shopify EU-Lokalsätze berechnet.
  • Die korrekte OSS-Steuer muss auch sauber in deine Buchhaltung übertragen werden, manuell oder automatisch per App.

Was ist das OSS-Verfahren und wann brauchst du es?

Das OSS-Verfahren (One-Stop-Shop) ist ein EU-weites Meldeverfahren für innergemeinschaftliche Fernverkäufe an Privatpersonen (B2C). Statt dich in jedem EU-Land einzeln umsatzsteuerlich zu registrieren, meldest du alle EU-B2C-Umsätze gebündelt über das OSS-Portal beim Bundeszentralamt für Steuern.

Relevant wird OSS, sobald deine EU-weiten Fernverkäufe (an Privatkunden in anderen EU-Ländern) die Lieferschwelle von 10.000 € im Kalenderjahr überschreiten. Bis zu dieser Schwelle berechnest du den deutschen Satz (19 % bzw. 7 %), darüber den lokalen Steuersatz des jeweiligen Ziellandes. Wichtig: OSS betrifft nur B2C – reine B2B-Lieferungen mit gültiger USt-IdNr. laufen über Reverse-Charge.

Die 10.000-Euro-Lieferschwelle richtig verstehen

Die 10.000-Euro-Schwelle ist EU-weit und kumuliert: Es zählen nicht die Umsätze pro Zielland, sondern die Summe aller deiner Fernverkäufe an Privatkunden in allen anderen EU-Mitgliedstaaten zusammen. Überschreitest du diese Grenze, gilt ab dem auslösenden Umsatz für alle EU-B2C-Lieferungen der lokale Steuersatz des Ziellandes.

Du kannst auch freiwillig auf die Schwelle verzichten und von Anfang an am OSS teilnehmen. Das ist sinnvoll, wenn du planbar EU-weit verkaufst. Die Registrierung erfolgt über das BZSt-Online-Portal, bevor du den ersten OSS-pflichtigen Umsatz tätigst.

  • Gilt nur für B2C-Fernverkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern.
  • EU-weit kumuliert – nicht pro Land gerechnet.
  • Unterhalb der Schwelle: deutscher Satz (19 % / 7 %).
  • Oberhalb der Schwelle: lokaler Steuersatz des Ziellandes.
  • Freiwilliger Verzicht auf die Schwelle ist möglich.

OSS in Shopify aktivieren: Schritt für Schritt

Shopify unterstützt OSS direkt in den Steuereinstellungen. Gehe in deinem Admin auf Einstellungen → Steuern und Zölle → Europäische Union. Dort wählst du als Steuererhebungsmethode die Mikro-Unternehmen-Befreiung (unter der Schwelle) oder die OSS-Registrierung (über der Schwelle bzw. bei freiwilliger Teilnahme).

Hinterlegst du deine OSS-Registrierung, berechnet Shopify für EU-B2C-Bestellungen automatisch den lokalen Steuersatz des jeweiligen Ziellandes. Prüfe danach unbedingt einige Testbestellungen aus verschiedenen EU-Ländern, damit die Sätze korrekt greifen.

  • Einstellungen → Steuern und Zölle → Europäische Union öffnen.
  • Versandland (Deutschland) und USt-IdNr. hinterlegen.
  • Steuererhebung auf OSS-Registrierung umstellen.
  • Mit Testbestellungen aus mehreren EU-Ländern prüfen.
  • Ermäßigte Sätze (z. B. für Bücher) pro Land kontrollieren.

OSS-Steuer korrekt in die Buchhaltung übertragen

Shopify berechnet zwar den richtigen Steuersatz an der Kasse, aber für die OSS-Meldung und deine Buchhaltung müssen die Umsätze sauber nach Zielland und Steuersatz aufgeschlüsselt sein. Manuell ist das fehleranfällig: Jede Bestellung muss dem korrekten Steuerschlüssel zugeordnet werden.

Mit zrapp werden Shopify-Bestellungen automatisch mit dem passenden OSS-Steuerschlüssel an sevdesk oder Lexware Office übertragen. Die Steuerautomatik erkennt EU-B2C-Lieferungen und setzt den Lokalsatz des Ziellandes. Wie automatisches Verbuchen grundsätzlich funktioniert, liest du im Beitrag Shopify-Bestellungen automatisch verbuchen.

Häufige Fehler beim OSS in Shopify vermeiden

Der häufigste Fehler ist, OSS gar nicht zu aktivieren und über der Schwelle weiterhin 19 % DE zu berechnen. Das führt zu falschen Rechnungen und einer falschen OSS-Meldung. Ebenso problematisch ist es, B2B- und B2C-Umsätze nicht zu trennen: B2B mit gültiger USt-IdNr. gehört in die Reverse-Charge-Logik, nicht ins OSS.

Achte außerdem auf ermäßigte Sätze, die je EU-Land unterschiedlich sind, und darauf, dass deine Rechnungen alle § 14 UStG-Pflichtangaben enthalten. Wenn du parallel die Kleinunternehmerregelung prüfst, beachte: § 19 und OSS schließen sich faktisch aus. Details dazu im Beitrag Kleinunternehmerregelung § 19 und Shopify.

Häufige Fragen

Ab wann muss ich OSS in Shopify einrichten?

Sobald deine EU-weiten Fernverkäufe an Privatkunden 10.000 € pro Kalenderjahr überschreiten. Darunter darfst du den deutschen Steuersatz berechnen, darüber gilt der lokale Satz des Ziellandes. Du kannst auch freiwillig vorher am OSS teilnehmen.

Berechnet Shopify die OSS-Steuersätze automatisch?

Ja. Wenn du in den EU-Steuereinstellungen die OSS-Registrierung hinterlegst, berechnet Shopify für EU-B2C-Bestellungen automatisch den lokalen Steuersatz des Ziellandes. Prüfe die Sätze trotzdem mit Testbestellungen.

Gilt OSS auch für B2B-Verkäufe in die EU?

Nein. OSS betrifft nur B2C-Fernverkäufe an Privatkunden. B2B-Lieferungen mit gültiger USt-IdNr. laufen über das Reverse-Charge-Verfahren mit 0 % Umsatzsteuer.

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