Was ist das OSS-Verfahren und wann brauchst du es?
Das OSS-Verfahren (One-Stop-Shop) ist ein EU-weites Meldeverfahren für innergemeinschaftliche Fernverkäufe an Privatpersonen (B2C). Statt dich in jedem EU-Land einzeln umsatzsteuerlich zu registrieren, meldest du alle EU-B2C-Umsätze gebündelt über das OSS-Portal beim Bundeszentralamt für Steuern.
Relevant wird OSS, sobald deine EU-weiten Fernverkäufe (an Privatkunden in anderen EU-Ländern) die Lieferschwelle von 10.000 € im Kalenderjahr überschreiten. Bis zu dieser Schwelle berechnest du den deutschen Satz (19 % bzw. 7 %), darüber den lokalen Steuersatz des jeweiligen Ziellandes. Wichtig: OSS betrifft nur B2C – reine B2B-Lieferungen mit gültiger USt-IdNr. laufen über Reverse-Charge.
Die 10.000-Euro-Lieferschwelle richtig verstehen
Die 10.000-Euro-Schwelle ist EU-weit und kumuliert: Es zählen nicht die Umsätze pro Zielland, sondern die Summe aller deiner Fernverkäufe an Privatkunden in allen anderen EU-Mitgliedstaaten zusammen. Überschreitest du diese Grenze, gilt ab dem auslösenden Umsatz für alle EU-B2C-Lieferungen der lokale Steuersatz des Ziellandes.
Du kannst auch freiwillig auf die Schwelle verzichten und von Anfang an am OSS teilnehmen. Das ist sinnvoll, wenn du planbar EU-weit verkaufst. Die Registrierung erfolgt über das BZSt-Online-Portal, bevor du den ersten OSS-pflichtigen Umsatz tätigst.
- Gilt nur für B2C-Fernverkäufe an Privatkunden in anderen EU-Ländern.
- EU-weit kumuliert – nicht pro Land gerechnet.
- Unterhalb der Schwelle: deutscher Satz (19 % / 7 %).
- Oberhalb der Schwelle: lokaler Steuersatz des Ziellandes.
- Freiwilliger Verzicht auf die Schwelle ist möglich.
OSS in Shopify aktivieren: Schritt für Schritt
Shopify unterstützt OSS direkt in den Steuereinstellungen. Gehe in deinem Admin auf Einstellungen → Steuern und Zölle → Europäische Union. Dort wählst du als Steuererhebungsmethode die Mikro-Unternehmen-Befreiung (unter der Schwelle) oder die OSS-Registrierung (über der Schwelle bzw. bei freiwilliger Teilnahme).
Hinterlegst du deine OSS-Registrierung, berechnet Shopify für EU-B2C-Bestellungen automatisch den lokalen Steuersatz des jeweiligen Ziellandes. Prüfe danach unbedingt einige Testbestellungen aus verschiedenen EU-Ländern, damit die Sätze korrekt greifen.
- Einstellungen → Steuern und Zölle → Europäische Union öffnen.
- Versandland (Deutschland) und USt-IdNr. hinterlegen.
- Steuererhebung auf OSS-Registrierung umstellen.
- Mit Testbestellungen aus mehreren EU-Ländern prüfen.
- Ermäßigte Sätze (z. B. für Bücher) pro Land kontrollieren.
OSS-Steuer korrekt in die Buchhaltung übertragen
Shopify berechnet zwar den richtigen Steuersatz an der Kasse, aber für die OSS-Meldung und deine Buchhaltung müssen die Umsätze sauber nach Zielland und Steuersatz aufgeschlüsselt sein. Manuell ist das fehleranfällig: Jede Bestellung muss dem korrekten Steuerschlüssel zugeordnet werden.
Mit zrapp werden Shopify-Bestellungen automatisch mit dem passenden OSS-Steuerschlüssel an sevdesk oder Lexware Office übertragen. Die Steuerautomatik erkennt EU-B2C-Lieferungen und setzt den Lokalsatz des Ziellandes. Wie automatisches Verbuchen grundsätzlich funktioniert, liest du im Beitrag Shopify-Bestellungen automatisch verbuchen.
Häufige Fehler beim OSS in Shopify vermeiden
Der häufigste Fehler ist, OSS gar nicht zu aktivieren und über der Schwelle weiterhin 19 % DE zu berechnen. Das führt zu falschen Rechnungen und einer falschen OSS-Meldung. Ebenso problematisch ist es, B2B- und B2C-Umsätze nicht zu trennen: B2B mit gültiger USt-IdNr. gehört in die Reverse-Charge-Logik, nicht ins OSS.
Achte außerdem auf ermäßigte Sätze, die je EU-Land unterschiedlich sind, und darauf, dass deine Rechnungen alle § 14 UStG-Pflichtangaben enthalten. Wenn du parallel die Kleinunternehmerregelung prüfst, beachte: § 19 und OSS schließen sich faktisch aus. Details dazu im Beitrag Kleinunternehmerregelung § 19 und Shopify.
