Reihenfolge der Datenmigration
Eine Migration scheitert selten an der Technik, sondern an der Reihenfolge. Beginne mit dem Produktkatalog, weil Bestellungen und Kunden später auf diese Datensätze verweisen. Erst danach folgen Kunden und zuletzt die Bestellungen.
WooCommerce exportiert Produkte und Kunden als CSV; Shopify importiert sie über den nativen CSV-Import oder eine Migrations-App. Plane einen Testlauf in einem Entwicklungs-Store ein, bevor du den Live-Store befüllst.
- Produkte inkl. Varianten, SKUs, Bildern und Lagerbeständen
- Kategorien und Tags als Shopify-Collections abbilden
- Kundendaten (Adressen, E-Mail, Steuerstatus B2B/B2C)
- Bestellungen als historische, nicht editierbare Referenz
- Weiterleitungen (URLs) und Metadaten für SEO
Was mit der Rechnungs-Historie passiert
Alte Rechnungen aus WooCommerce gehören nicht in Shopify importiert. Nach § 14 UStG und GoBD müssen sie unveränderbar, fortlaufend nummeriert und revisionssicher archiviert bleiben – am besten genau dort, wo sie entstanden sind, als PDF oder E-Rechnung (ZUGFeRD/XRechnung). Lade die Belege vor der Abschaltung deines WooCommerce-Systems vollständig herunter und sichere sie.
Für neue Bestellungen ab dem Go-live erzeugst du Rechnungen frisch in der Shopify-Welt. Mit Shopify-Rechnungen automatisch erstellen läuft das ohne manuelles Nachpflegen, und deine Buchhaltung bleibt lückenlos. Wichtig ist nur, dass die fortlaufende Rechnungsnummer nahtlos an deinen alten Nummernkreis anschließt.
301-Redirects: SEO retten statt verlieren
Der häufigste Fehler bei der Migration ist verlorener Traffic, weil sich URL-Strukturen ändern. WooCommerce nutzt Pfade wie /produkt/... oder /shop/..., Shopify dagegen /products/... und /collections/.... Jede alte URL braucht deshalb einen permanenten 301-Redirect auf das neue Ziel.
Lege eine Mapping-Tabelle an, in der jede WooCommerce-URL ihrem Shopify-Pendant zugeordnet ist. Shopify bietet native URL-Weiterleitungen; für große Kataloge lohnt sich ein Bulk-Import der Redirects. Behalte nach dem Go-live die Search Console im Blick, um 404-Fehler früh zu entdecken.
Steuerlogik in Shopify neu aufsetzen
Steuereinstellungen lassen sich nicht 1:1 übertragen – sie werden in Shopify neu konfiguriert. Prüfe deinen Status vor dem Go-live: Als Kleinunternehmer nach § 19 UStG (seit der Reform 2025 Vorjahr bis 25.000 €, laufendes Jahr bis 100.000 €) weist du keine Umsatzsteuer aus. Details dazu im Artikel Kleinunternehmerregelung §19 und Shopify.
Verkaufst du EU-weit an Privatkunden, greift ab 10.000 € EU-Lieferschwelle das OSS-Verfahren mit dem Steuersatz des Ziellandes; für B2B-Lieferungen mit gültiger USt-IdNr. gilt Reverse-Charge mit 0 %. Beide Mechanismen richtest du in OSS-Verfahren in Shopify einrichten und Reverse-Charge bei Shopify-B2B-Verkäufen ein.
Buchhaltung anbinden statt manuell pflegen
Nach der Migration willst du nicht wieder jede Bestellung von Hand verbuchen. Verbinde Shopify direkt mit deinem Buchhaltungssystem, damit Rechnungen, Gutschriften und Stornos automatisch fließen, etwa über Shopify mit sevdesk verbinden oder Shopify mit Lexware Office verbinden.
So wird die Steuerlogik (19 % Regelsatz, 7 % ermäßigt, OSS, Reverse-Charge) pro Bestellung korrekt zugeordnet und per Webhook übertragen. Wie automatische Verbuchung im Detail funktioniert, zeigt Shopify-Bestellungen automatisch verbuchen.
Checkliste für den Go-live
Plane ein festes Umstellungsfenster und teste den neuen Store vorher gründlich. Erst wenn Daten, Redirects und Steuerlogik stehen, schaltest du DNS und Zahlungsanbieter live.
- Testbestellung mit echter Steuerberechnung durchgeführt
- Alle WooCommerce-Belege exportiert und revisionssicher archiviert
- 301-Redirect-Mapping vollständig importiert
- Rechnungsnummernkreis schließt nahtlos an
- Buchhaltungs-Anbindung und Webhooks getestet
- DNS-Umstellung und SSL geprüft
